Konjunkturumfrage

bdo-Konjunkturumfrage

Rückblickend schaut die Busbranche auf ein konjunkturell gesehen sehr heterogenes Jahr zurück. In den drei Segmenten Touristik, ÖPNV und Fernlinienverkehr wurden deutliche Unterschiede untereinander, aber auch in der Entwicklung seit dem Vorjahr festgestellt. Die Bustouristiker vermelden eine merklich schlechtere Geschäftslage zum Vorjahr. Die Umsätze sind zurückgegangen und der Gewinn ist stark eingebrochen. Der öffentliche Personennahverkehr verzeichnet hingegen eine leichte Stimmungsbesserung bei der Beurteilung der Geschäftslage für 2018. Trotz besserer Umsatzentwicklung sind die Gewinne dennoch mehrheitlich schlechter als im Vorjahr. Die Unternehmensgröße spielt bei der Einschätzung oftmals eine ausschlaggebende Rolle. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto negativer wird die Situation betrachtet. Nach den erfolgreichen vergangenen Jahren erlebt der Fernlinienverkehr 2018 ein Stimmungstief. Die gravierenden Umsatz- und Gewinneinbrüche wirken sich in einer sehr negativen Beurteilung der Geschäftslage aus. Für das noch junge laufende Geschäftsjahr sehen die Prognosen der privaten, meist mittelständischen Unternehmen durchweg pessimistisch aus. Nach der Liberalisierung des Fernbusmarktes hat der Fernlinienbusverkehr zunächst einen enormen Aufschwung verzeichnen können. Nach dem sehr negativ bewerteten Geschäftsjahr 2018 blicken die Unternehmen deutlich skeptischer auf 2019. Die Einschätzung der Bustouristiker fällt ebenfalls erheblich düsterer, als in den Vergangenen Jahren, aus. Die zahlreichen Herausforderungen innerhalb der Branche lassen die Unternehmen kritisch in die Zukunft schauen. Auch die grundsätzlich sehr pessimistisch ausfallende Vorausschau der Unternehmen im öffentlichen Personennahverkehr bleibt weitestgehend unverändert.

Busfahrer gesucht: Fahrermangel spitzt sich weiter zu
Seit Jahren wächst der Bedarf an Fachkräften in Busunternehmen, was die Unternehmen zunehmend vor große Herausforderungen stellt. Erneut ist der Anteil an Unternehmen mit Fahrermangel angestiegen. Mittlerweile sind 73 Prozent der Betriebe auf der Suche nach Fachpersonal. Dies sind 6 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Bürokratiemonster: Administrativer Aufwand nimmt kein Ende Zunehmende Vorschriften und Vorgaben erhöhen den administrativen Aufwand innerhalb der Unternehmen und belasten die mittelständisch geprägte Branche ungemein. Verschiedene Mehrwertsteuerbestimmungen, die Einführung zahlreicher Mindestlohn- & Entsenderegelungen, die steigende Anzahl an unterschiedlichen Umweltzoneninnerhalb Europas oder die 2018 in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung sind nur einige Beispiele für den stetig wachsenden zeit- und kostenintensiven Aufwand, der die Unternehmen an ihr Grenzen bringt.

Existenzbedrohend: Dieselfahrverbote & Busmaut
Allen drei Segmenten bereiten sowohl die schon umgesetzten als auch die zahlreichen noch drohenden Dieselfahrverbote in Städten und Regionen große Sorgen. Die Vielzahl an undurchsichtigen lokalen Bestimmungen verunsichern die Unternehmen zusätzlich. Die voraussichtlich noch längerfristig dieselabhängige Branche bangt bei dieser Entwicklung zunehmend um ihre Existenz. Auch die ständige Diskussion um die Einführung einer Busmaut bereitet den Unternehmen im Fernlinienverkehr und in der Bustouristik Bauchschmerzen. Eine Vielzahl der Unternehmen würde diese zusätzliche Ausgabe vor eine enorme Herausforderung stellen und letztendlich auch den Endkunden belasten.

Weitsicht: Bedeutung an Nachhaltigkeit nimmt zu Nachhaltigkeit gewinnt von Jahr zu Jahr immer mehr an Bedeutung. Das Thema spielt bei den Unternehmen eine wichtige Rolle: entweder durch umweltschonende Programmplanung (40 %) oder die Gestaltung klimaneutraler Busreisen (13 %). Besonders im Fernlinienverkehr ist der Nachhaltigkeitsgedanke stark vertreten (65 %). Auffällig ist das wachsende Interesse an nachhaltiger Produkt- und Programmplanung mit zunehmender Unternehmensgröße.

Unzufriedenheit: Stimmungsbild zum Mobility Package
Die diesjährige Sonderabfrage zum Meinungsbild der Busbranche zu den Vorschlägen der EU-Kommission zum Mobility Package verdeutlicht, dass die Unternehmen, wie bereits im Vorjahr, mehrheitlich unzufrieden sind mit den Entwürfen (49 %). Kritisiert werden die Vorschlägehauptsächlich, weil sie deutlich nur auf Güterverkehr und nicht auf Personenverkehr Lkw-Fahrer un nicht auf Busfahrer eingehen (64 %) und die Fahrer nicht schützen, sondern eher zusätzlich belasten (64 %). Daher fordert die Branche nahezu ausnahmslos eigenständige Lenk- und Ruhezeitenregelungen unabhängig vom Güterverkehr (95 %).