Konjunkturumfrage

bdo-Konjunkturumfrage

Die Busbranche schaut auf ein konjunkturell gesehen durchwachsenes Jahr zurück. In den drei Segmenten: Touristik, ÖPNV und Fernlinienverkehr wurden unterschiedliche Entwicklungen festgestellt. Während die Bustouristik Rückschläge hinnehmen musste, bewerten Unternehmen im ÖPNV und im Fernlinienverkehr die Geschäftslage positiver zum Vorjahr. Die Zukunftsaussichten werden von den privaten, meist mittelständischen Unternehmern überwiegend sehr skeptisch betrachtet. Während der Fernlinienverkehr sehr optimistisch dem laufenden Geschäftsjahr entgegen sieht, ist die Einschätzung der Bustouristiker wesentlich verhaltener und die der ÖPNV-Unternehmen mehrheitlich negativ geprägt. Deutliche Unterschiede sind in den drei Bereichen der Busbranche ebenfalls bei den Herausforderungen, Trends und Prognosen zu erkennen.

Digitalisierung – alternative Antriebsformen - Nachhaltigkeit

Besonders Unternehmen, die im Fernbusbereich tätig sind, äußern sich offen für neue Ideen und Innovationen. Chancen in alternativen Antriebsformen, Digitalisierung oder nachhaltiger/umweltschonender Produktgestaltung und Programmplanung werden deutlich stärker von Fernbusbetreibern gesehen. Festzustellen ist zusätzlich, dass der Nachhaltigkeitsgedanke mit steigender Unternehmensgröße in allen drei Bereichen stärker gelebt und umgesetzt wird. Die Reisebranche ist weitaus zurückhaltender was Neuerungen betrifft. Der digitale Fortschritt und die Möglichkeiten, die man hierdurch nutzen kann werden von rund 34 Prozent der Reisebusunternehmer als keine Chance bzw. kein Mehrwert für das eigene Geschäft gesehen. Nur 27 Prozent gehen davon aus, dass diese Neuerungen das eigene Unternehmen zukünftig positiv beeinflussen werden.

Inlandstourismus nimmt zu – Terrorgefahr verändert die Zieldestinationen

Der Inlandstourismus hat zugenommen und auch die Zukunftsprognosen gehen in dieselbe Richtung. Durch die steigende Terrorgefahr besinnen sich die Deutschen wieder stärker auf den Urlaub im Heimatland. Die steigende Terrorgefahr stellt die Busunternehmer im touristischen Verkehr, aber auch im Fernlinienverkehr, vor neue Herausforderungen. Massen-Spontan-Stornierungen und kurzfristige Zieldestinationsverschiebungen nehmen stärker zu und machen die langfristige Planung von Reiserouten immer schwieriger. Auch durch den ansteigenden administrativen Aufwand stehen sowohl die Bustouristik, als auch der Fernlinienverkehr zunehmend vor immer größer werdenden Hürden. Zu den bereits sehr unterschiedlichen Mehrwertsteuersystemen innerhalb Europas haben seit 2016 immer mehr Länder auch noch Mindestlohn- und Entsenderegelungen eingeführt, die ebenfalls die grenzüberschreitende Tätigkeit erheblich erschweren. Dies wird auch in dieser Umfrage deutlich, wo rund 78 Prozent der Bustouristiker bestätigen, dass der zunehmende administrative und finanzielle Aufwand in einigen Ländern Einfluss auf die Konzipierung von Reisen bzw. Reiserouten hat.

Europaweiter Ausschreibungswettbewerb & Eigenwirtschaftliche Verkehre

Die an der Befragung beteiligten Unternehmen äußern sich kritisch zur Entwicklung der EU-Verordnung 1370/2007 sowie dem europaweiten Ausschreibungswettbewerb. Rund 61 Prozent der Unternehmen, somit 6 Prozent mehr als im Vorjahr, befürchten zukünftig eine negative Entwicklung für ihr eigenes ÖPNV-Unternehmen. Mehr als die Hälfte (60 %) der Unternehmen äußern sich kritisch zur nicht ausreichenden Berücksichtigung des Vorrangs der Eigenwirtschaftlichkeit im PBefG in den Kommunen. Fahrermangel ist seit Jahren ein enormes Problem in der Busbranche und stellt die Unternehmen immer wieder vor eine große Herausforderung, Personal für diesen Berufszweig zu begeistern. Während im Jahr 2015 noch 76 Prozent aller Unternehmen über fehlendes Fahrpersonal klagten, ist die Anzahl dieses Jahr zumindest auf 56 Prozent gesunken. Im ÖPNV wird der größte Bedarf an Fahrern gemeldet. Sinkende Fahrgastzahlen prognostizieren vor allem Unternehmen aus dem ÖPNV (38 %) und Gelegenheitsverkehr (36 %). Im Fernlinienverkehr blicken die Unternehmer weitaus positiver in die Zukunft. Lediglich 7 Prozent befürchten zukünftig einen Rückgang bei Fahrgästen.